Foto: HST - 2003

Ehrenfriedhof  „Marienbildchen“  im Meroder Wald

Der Ehrenfriedhof liegt an dem zur Klosterruine Schwarzenbroich führenden Marienweg am Nordrand des einstigen Kampfgebietes Hürtgenwald. Die Bezeichnung Marienbildchen erinnert an die Fürstin von Merode-Westerloo, die an einer Eiche ein Marienbild anbringen ließ, das inzwischen durch eine Marienstatue ersetzt wurde und auch Station einer alljährlichen Prozession ist.

Auf diesem Waldfriedhof ruhen unter dem schützenden Dach der Bäume insgesamt 223 gefallene deutsche Soldaten: 126 in Einzelgräbern und 97 in zwei Sammelgräbern: 169 sind namentlich bekannt. Sie fielen bei den erbitterten Kämpfen von November bis Mitte Dezember 1944 zwischen Merode und Wenau bei der Schlacht im Hürtgenwald. Viele der Gefallenen sind 18- bis 20-jährige Fallschirmjäger.
Die furchtbaren Luftangriffe am 16. November 1944 auf die deutschen Stellungen in den aufsteigenden Wäldern hinter Merode und auf Düren führten zur Flucht bzw. Evakuierung der Bürger aus ihren Orten.

Am 29. November 1944 wurde Merode von Amerikanern besetzt. Das Schloss, Wahrzeichen des Ortes, fiel erst nach tagelangen Kämpfen am 11. Dezember in amerikanische Hände.

Ab Mai 1945 kehrte die evakuierte Bevölkerung in den völlig zerstörten Ort zurück; der Wiederaufbau begann. Spuren des Krieges zeigten sich auf Schritt und Tritt, Felder und Wiesen waren verwüstet oder versteppt, Wälder vermint, verbrannt und zerfetzt. Vielerorts stieß man auf Unterstände und Laufgräben, Munitionsteile und anderes Kriegsgerät. Auf dem Schlachtfeld lagen noch viele Gefallene unbestattet. Die persönlichen Sorgen und Nöte zurückstellend betrachteten es die Meroder Bürger als Ehrenpflicht diese Gefallenen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens – zu bergen und ihnen eine würdige dauernde Ruhestätte zu schaffen. Untrennbar mit der Geschichte verbunden sind Kaplan Heinrich Prinz und der Lehrer Joseph Gerhards. Zusammen mit treuen Helfern leisteten sie unermüdliche Arbeit.

Gerhards hatte beide Söhne im Krieg verloren. Er legte am 5. August 1945 den Ehrenfriedhof inmitten des einstigen Kampfgebietes an, auf einem Waldstück vor der Eiche mit dem Marienbild. Der Fürst von Merode-Westerloo hatte das Gelände bereitwillig zur Verfügung gestellt. Die ersten 22 Gefallenen wurden beigesetzt. Wochentags bauten die Bürger ihren Ort wieder auf, sonntags begab man sich mit Pferdekarren in die Wälder auf der Suche nach toten Soldaten, um sie auf dem Ehrenfriedhof beizusetzen. Zuvor wurde alle Maßnahmen zur Identifizierung der Gefallenen durchgeführt: Erkennungsmarken wurden registriert, Nachlassgegenstände gesichtet, besondere körperliche Merkmale und gegebenenfalls die Todesursache festgehalten. Viele bis dahin unbekannte Gefallene konnten identifiziert werden. So wurde der erst 17-jährige Werner Proschmann aus Dresden (Grab.Nr. 84) auf Grund einer Gravur auf der bei ihm gefundenen Tabakdose identifiziert und der 19-jährige Willi Schröder aus dem mecklenburgischen Plau (Grab Nr. 8) gar an der Rechnung über seinen letzten Zivilanzug mit dem kaum lesbaren Firmenaufdruck des Geschäftsinhabers. Zu Beisetzung der Gefallenen kam Kaplan Prinz stets in vollem Ornat und segnete die Gräber.
Auf Anordnung der Amerikaner wurden vom 20. bis 29. Februar 1950 alle auf dem Ehrenfriedhof Merode bestatteten Unbekannten exhumiert da der amerikanische Gräberdienst unter diesen auch vermisste amerikanische Gefallene vermutete. Dies war nicht der Fall. Am 1. Mai 1951 wurde der steinerne Altar des Künstlers Kaspar Müller aus Schevenhütte (6 km südwestlich von Merode eingesegnet.

Er trägt die Inschrift:  „Wo Liebe im Herzen lebt, vergisst man Euch nie“

Seit dem Tode von Joseph Gerhards 1985 betreute seine Frau Kethi den Ehrenfriedhof  Merode, inzwischen betreuen ehrenamtliche Mitglieder des Eifelvereins Ortsgruppe Schlich (2002) den Ehrenfriedhof.

N.B.  Der Friedhof befand sich bis 1971 in der Obhut des Amtes Echtz. Seit 1972 ist die Gemeinde Langerwehe zuständig. Auf einer Gedenktafel am Eingang des Friedhofes steht folgender Vers von Victor Hugo (1802-1885) (aufgestellt von der Gemeinde Langerwehe und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesverband NRW Alfredstraße 213, 45131 Essen):

„Es wird der Tag kommen, da wird der Krieg zwischen Paris und London, zwischen Petersburg und Berlin, zwischen Wien und Turin ebenso töricht und unmöglich sein, wie heute zwischen Rouen and Amiens, zwischen Boston und Philadelphia. Es wird der Tag kommen, da werden die Vereinigten Staaten von Europa sehen, wie sie sich die Hände über den Ozean hinüberreichen.“
Victor Hugo (1802-1885)