Schlich und die Herrschaft

Mit fast 2.500 Einwohnern ist Schlich der größte Ort der „Herrschaft“ (Obergeich, D’horn, Schlich, Merode, Echtz, Geich und Konzendorf) und gehört zu den Dörfern mit den stärksten Einwohnergewinnen im Kreis Düren. Historisch ist Schlich eine fränkische Siedlung. Als Geländenamen verbirgt sich in der Ortsbezeichnung das mittel-hochdeutsche slich, slik, slijk, das so viel wie Schlick oder Schlamm bedeutet. Dies ist eine einleuchtende sprachliche Deutung angesichts des Reichtums an kleinen Gewässern in diesem Grenzgebiet zwischen waldreichen Höhenausläufern der Eifel und fruchtbarem Flachland der Echtzer Lößplatte.

Geschichte: Der früheste schriftliche Nachweis von Schlich stammt aus den Jahren 1294 bis 1323. Im Zusammenhang mit der Erbteilung zwischen den Herren von Merode wird einer der Ritter von Merode auch Johann von „Slige“, Johann von „Sliche“ oder „her Johan van Slig“ genannt.  Am 10. April 1644 waren lothringische Truppen von Eschweiler aufgebrochen und hatten in Schlich und Merode übernachtet. Sie beabsichtigten, in der Frühe des 11. April das Jülicher Land zu verlassen. Zur gleichen Zeit waren aus Neuss, Kempen und Kalkar hessische Truppen in Richtung Rur aufgebrochen. Sie sahen die großen Lagerfeuer der Lothringer und beschlossen, diese zu überfallen. Die Überrumpelung gelang, die Hessen drangen in das lothringische Lager und in den Ort Schlich ein der bald lichterloh brannte. Die Lothringer flüchteten Richtung Merode und wurden dort von einem Teil der Hessen mit den soeben erbeuteten Geschützen in Schach gehalten. Die übrigen Hessen plünderten indessen das lothringische Lager und den Ort Schlich. Im Herbst/Winter 1666/67 suchte eine Pestepidemie die Orte Schlich und Merode heim. Ein Drittel der Bevölkerung kam ums Leben. In dieser Zeit wurde durch Spenden eine Glocke angeschafft, die heute noch existiert. Die „Pestglocke“ hängt heute in der Donatuskapelle in der Mitte des Ortes. Im Jahr 1720 stiftete der aus Schlich stammende Heinrich Poel, Vicecuratus in D’horn, eine Kapelle, die dem Hl. Antonius geweiht wurde. Hiermit verbunden war ein Beneficum auf eine Wochenmesse. Die Kapelle stand an der heutigen Kreuzung Eifelstraße – Weberstraße – Antoniusstraße (Richtung Schule). Sie wurde im 2. Weltkrieg stark beschädigt und 1950 abgetragen. 1951 wurde nur wenige Meter entfernt die Donatuskapelle erbaut. Zur gleichen Zeit wirkte sein aus Merode stammender Schwager seiner Schwester, Bernardus Wettstein, in der „Herrschaft“. Er war Altarist und Frühmessner am St. Georgsaltar in D’horn, Kaplan an der Kapelle in Geich, Provisor des Hospitals zu Geich und Rentmeister der Grafen von Merode. Er erbaute 1721 bis 1729 zu Ehren seines Onkels Arnoldus Wettstein, der ebenfalls Altarist in D’horn und Kaplan zu Geich war, in der heutigen Kirchstraße eine Wohnung, die unter Denkmalschutz stehende alte Vikarie. Die Beiden ließen auch im Jahr 1721 eine Glocke gießen. Sie ist die älteste Glocke in der Pfarrkirche in Schlich.  Im Jahr 1797 wurde auch Schlich von Napoleons Truppen besetzt. Zwei junge Männer aus dem Ort wurden zwangsrekrutiert und verloren in Russland ihr Leben. Im Jahr 1799 wohnten im Ort 200 Erwachsene über zwölf Jahren und ca. 120 Kinder unter zwölf Jahren. Bis auf fünf Personen jüdischen Glaubens waren alle katholisch.

Im ganz auf Agrarwirtschaft eingestellten Mittelalter war der Besitz von Grund und Boden unabdingbare Voraussetzung für soziales Ansehen und politische Rechte. Die mittelalterlichen Könige belohnten die Treue ihrer Gefolgsleute und Dienstmannen folgerichtig damit, dass sie ihnen Teile ihres Landes überließen. Aus diesen von Rittern und Beamten genutzten Gütern entwickelte sich das erbliche Lehnswesen. Die als „Herrschaft“  bezeichneten Dörfer auf dem heutigen Gebiet der Gemeinde Langerwehe gehen auf solch eine königliche Überlassung an einen Dienstmann, einen Ministerialen, zurück. Mittelpunkt des anvertrauten Landes war der Hof Echtz, der seit fränkisch-karolingischer Zeit zum Reichsgut gehörte. Um 1170 überließ ihn Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, seinem Dienstmann Werner aus Kerpen, der daraufhin im nahegelegenen, „Richswald“ die Burg Merode errichtete. Das königliche Lehen umfasste das Gebiet der Orte Echtz, Merode, Konzendorf, Geich, Obergeich, Schlich und D’horn. Bis 1336 unterstand es dem König, dann übertrug dieser die Lehenhoheit an den Grafen und späteren Herzog von Jülich.

Werner hatte für seine königlichen Dienste keinen schlechten Lohn erhalten. der ausgesprochen fruchtbare Boden der Echtzer Lößlehmplatte, sie sich wie ein Keil vom unergiebigen Eifelrand zwischen die Täler der Inde und Rur vorschiebt, sicherte ertragreiche Getreideernten. Roggen und sogar Weizen gediehen hier reichlich und gut. Aber auch die Viehzucht fand im Hangbereich der Eifel und auf den feuchten Lehmböden keine schlechten Bedingungen. Zudem gehörte zur „Herrschaft“  ein großes Waldgebiet, über dessen wirtschaftliche Bedeutung H.J.Domsta in seinem Buch über die mittelalterliche Geschichte der Fürsten von Merode 1981 folgendes schreibt: Die Forstnutzung des Hofes Echtz umfasste folgende Berechtigungen: Brennholz und Bauholz nach Bedarf… Der Hof darf vier Fischer, vier Brettschneider, vier Radmacher, vier Köhler und vier Honigsucher ausschicken, außerdem seine Schweine von Mitte September bis zum 24. Juni zur Mast in den Wald treiben. Man sieht, die Herren von Merode waren gut versorgt. Ihnen war aber nicht nur die Landwirtschaftliche und forstliche Nutzung des Lehens erlaubt, sie übten auch die hohe und niedere Gerichtsbarkeit über die Bewohner der „Herrschaft“ aus. Das sich die Untertanen nicht immer so verhielten, wie es der Herr erwartete, zeigt die Verordnung des Grafen Johann Philipp Eugen vom 29. April 1732. Hierin beschwert er sich darüber, dass man in seinem Besitztum zu sehr dem Karten- und Würfelspiel fröne. Dies geschehe auch an Sonn- und Feiertagen und, was ihn besonders empörte, sogar während des Gottesdienstes und bis spät in die Nacht. Bei Strafandrohung forderte er die Wirte auf Bier, Schnaps und Wein nur noch bis 9 Uhr abends zu verkaufen, während des Kirchgangs dagegen gar nichts auszuschenken und auch keine Karten- und Würfelspiele zu dulden.

Die Franzosen lösten zwar die feudale Verfassung der Herrschaft Merode auf, die Gebietsgrenzen blieben jedoch unangetastet. Die „Mairie d’Echtz“, also die Bürgermeisterei, entsprach exakt dem alten Meroder Besitz. Auch in preußischer Zeit blieb die „Herrschaft“ eine geschlossene Einheit, jetzt als Bürgermeisterei Echtz bezeichnet. Erst die Gebietsreform von 1972 dividierte die Dörfer auseinander. Echtz und Konzendorf kamen an die Stadt Düren die übrigen Orte wurden der Gemeinde Langerwehe zugeteilt. (Man muss feststellen zum Leidwesen vieler Bürger). Bis heute haben sich mannigfache Beziehungen zwischen den Einwohnern der „Herrschaft“ und der Familie von Merode erhalten. Im Festzug der Schützen und der Maigesellschaft fährt der Schlossherr als Ehrengast mit.

Die waldreiche Gegend um Schlich lädt natürlich sehr zum Wandern ein. Schlich ist ein beliebter Ausgangspunkt zu Wanderungen bis hin zum Hohen Venen. Zudem gibt es in der Nähe einige lohnende Ausflugsziele, wie z.b. die Klosterruine Schwarzenbroich, die Laufenburg, Schloss Merode. Nachfolgend einige historische Bilder aus der „Herrschaft“.

Schlich und D’horn im Wandel der Zeit

Das Gebiet der beiden Ortschaften ist historisch im wesentlichen eingebettet in die Geschichte der Herrschaft Merode. An dem Bereich der beiden Ortschaften führte seinerzeit die alte Römerstraße KölnAachen vorbei. Mit dem Niedergang des weströmischen Reiches im Jahre 476 sind seit der fränkischen Landnahme die meisten Ortschaften in der heutigen Gemeinde Langerwehe, zu der die beiden Ortschaften Schlich und D’horn seit dem 1.1.1972 gehören, fassbar.

So ist der älteste Ortsteil von Langerwehe, Rymelsberg sicher fränkischen Ursprungs. Seit dem 10. Jahrhundert verwalteten als königliche Amtsträger die rheinischen Pfalzgrafen die Waldgrafschaft, verloren aber im 11. und 12. Jahrhundert Macht an die einheimischen Adelsgeschlechter in diesem Falle an die Grafen von Jülich. In dieser Zeit der territorialstaatlichen Konsolidierung begann die Gründung fester Adelssitze wie Holzheim, Laufenburg, Merode (1174) und des Klosters Wenau zur politischen und kulturellen Erschließung des Landes. Der mittelalterlichen Rodungsperiode entstammen die Dörfer Geich und Obergeich, dazu passt das Nikolauspatrozinium der Geicher Kapelle, das vor der Entstehung der Kapelle (wohl im 12. Jahrhundert) diesseits der Alpen verbreitet war.

Ihre Alleinlage ist aus der Zugehörigkeit ursprünglich zu einem Einzelhof (als Eigenkapelle der Merode?) zu erklären, an dessen Stelle später vom 15. bis 19. Jahrhundert ein Gasthof gestanden hat. Nach Abschluss der Territorialstaatenbildung im 13. Jahrhundert gehörte das heutige Gemeindegebiet zu drei Verwaltungseinheiten des Herzogtums Jülich: Der Dingstuhl Langerwehe, Heistern und Hamich zum Amt Wilhelmstein, ebenso das Kloster Wenau das als Stiftung der Grafen von Limburg , bis zu seiner Aufhebung dem Mutterkloster Floreffe unterstand. Das erst 1340 gegründete Kreuzherrenkloster Schwarzenbroich lag schon in der Herrschaft Merode, einer Rodungssiedlung des 12. Jahrhunderts, deren Burg Reichslehen war und dem Grafen von Merode den Namen gab. 1336 löste der Markgraf von Jülich den Kaiser als Lehnsherren ab und gliederte Merode als Unterherrschaft, unter anderem mit den Dörfern Schlich und D’horn, seinem Amt Nörvenich ein, zu dem schon Geich und Obergeich gehörten.

Durch die frühzeitige Usurpation (widerrechtlich, gewaltsam einvernehmen) wurden Schloss und Grundbesitz Merode Privatbesitz derer von Merode und nicht von der Enteignung durch die französische Regierung nach 1794 betroffen, so dass sie bis zum Jahre 2000 im Eigentum der Fürstenfamilie Merode – Westerloo verblieben. Nach Abschluss eines entsprechenden Verfahrens ging im gleichen Jahr das vorgenannte Eigentum in die Familie des Prinzen CharlesLouis von Merode über.

Ab dem 1800 gehörten die Ortschaften Schlich und D’horn neben den Orten Merode, Geich, Obergeich, Echtz und Konzendorf zum Amt Echtz sowie seit dem Jahre 1816 zu Preußen.

Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurden die Ortschaften Schlich und D’horn mit Wirkung vom 1.1.1972 der Gemeinde Langerwehe mit dem Verwaltungssitz in Langerwehe zugeordnet. Nach Maßgabe der in diesem Zusammenhang vorweg geschlossenen Gebietsänderungsverträge, u. a. mit der Stadt Düren, wurde der Wohnplatz Haus Hardt der Stadt Düren zugeordnet. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges galt hier infolge der britischen Besatzungszone das englische Kommunalverfassungsrecht mit dem ehrenamtlichen Bürgermeister und dem hauptamtlichen Gemeinde und Amtsdirektor bis zur Kommunalen Neugliederung. Hierbei wurde das bisherige Amt aufgelöst. Nach Änderung des kommunalen Verfassungsrechts durch das Land NordrheinWestfalen wurde durch entsprechenden Beschluss des Rates der Gemeinde, Langerwehe 1994 die Bürgermeisterverfassung mit einem hauptamtlichen Bürgermeister anstelle des bisher geltenden Verfassungsrechts eingeführt. Ab 1999 ist dieses Recht allgemein verbindlich, wobei der Bürgermeister direkt gewählt wird.